Jesus Rolls - Niemand verarscht Jesus

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Comedy

Von: Carmine Carpenito

Die Bowlingkugel rollt wieder

Vor 23 Jahren kam mit THE BIG LEBOWSKI ein Streifen in die Kinos, der seinerzeit nur auf wenig Anerkennung stiess. Weder vom Kinopublikum noch von der Oscar-Jury wurde die Produktion der Gebrüder Coen wirklich geschätzt. Tatsächlich mussten ganze zehn Jahre verstreichen, bis The Dude und Walter Sobchak neu entdeckt wurden und zu absoluten Kultfiguren avancierten. Dasselbe gilt natürlich auch für den bowlingkugelleckenden Jesus, der von John Turturro hervorragend verkörpert wurde - und zu eben dieser Figur wurde nun ein Spin-off umgesetzt.

Manchmal scheitert eine Figur daran, den Zuschauer wirklich abzuholen - selbst dann, wenn es sich um den Protagonisten eines zweistündigen Werks handelt. Und dann gibt es da noch Figuren, welche die Leinwand so sehr dominieren, dass man beinahe vergessen könnte, dass es sich eigentlich lediglich um Kurzauftritte handelt. Oder wusstest du bereits, dass Anthony Hopkins in DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER keine 15 Minuten im Bild war? Bei Jesus Quintana sprechen wir sogar von unter 5 Minuten - und trotzdem haben Fans der Figur mehr als zwei Jahrzehnte lang immer wieder zu verstehen gegeben, wie sehr sie sich nach einem Soloabenteuer sehnen - und John Turturro selbst gehört da ebenfalls dazu.

Das Approval der Coens

Da die Gebrüder Coen keinerlei Interesse daran haben, irgendeinen ihrer Filme fortzusetzen, war klar, dass John Turturro seine Spin-off-Idee selbst würde realisieren müssen. Als THE BIG LEBOWSKI schliesslich zum Klassiker erklärt wurde, schien für den Schauspieler und Filmemacher der richtige Moment gekommen zu sein. Nun galt es nur noch die Coens davon zu überzeugen, ihm die Erlaubnis zu erteilen, Jesus für ein Quasi-Sequel zurückzuholen - und wie wir heute wissen, war ihm diese Aufgabe auch gelungen, auch wenn es ihm verwehrt wurde, irgendeiner anderen Figur ebenfalls ihr Comeback zu ermöglichenn. Gastauftritte von Jeff Bridges oder John Goodman sind daher keine vorhanden.

Mehr Remake als Sequel?

Interessanterweise fungiert JESUS ROLLS - NIEMAND VERARSCHT JESUS sowohl als Spin-off-Sequel zu THE BIG LEBOWSKI als auch als Remake des französischen 70er Jahre Films DIE AUSGEBUFFTEN. John Turturro war damals sehr begeistert von dieser Arthouse-Perle, weil eine derbe Sprache und explizite Sexszenen damals noch sehr ungewöhnlich waren. Doch das Publikum zu schocken war keineswegs das Ziel der Filmemacher. Vielmehr ging es darum den Zuschauern einen Sinn für Freiheit zu übermitteln - und eben dieses Freiheits-Thema stellt in JESUS ROLLS das Herzstück der Geschichte dar - leider aber auch das Problem, da es John Turturro nicht gelingt, einen roten Faden zu verfolgen. Die Handlung plätschert im Grunde nur so vor sich hin und Nebenfiguren werden sehr willkürlich eingeführt - zum Beispiel Marie, porträtiert von Audrey Tautou, die Jesus und Co. primär ihren Körper anbietet.

Fazit

Ja, man merkt dem Film an, wie viel Jesus John Turturro bedeuten muss. Der 64-Jährige spielt die Kultfigur mit einer unverkennbaren Leidenschaft. Schade nur, dass ausgerechnet die Handlung auf der Strecke bleibt. Aber wer weiss - genau wie THE BIG LEBOWSKI benötigt womöglich auch JESUS ROLLS - NIEMAND VERARSCHT JESUS einfach nur seine Zeit, bis die Leute das wahre Meisterwerk erkennen.