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Interview Tyler Posey

Interview: Carmine Carpenito

Tyler Posey: «Ich finde es nicht unangenehm alleine zu sein»

TEEN WOLF-Star Tyler Posey musste umdisponieren: In seinem neuen Film ist es nicht mehr er, der zubeisst, sondern er muss sich hüten, nicht gebissen zu werden und zwar von fiesen Zombies. Im Interview spricht er vom Alleinsein, Grenzen zu überwinden und das Leid mit dem Berühmtsein.

Tyler Posey, Ihr Film ALONE passt perfekt in diese Zeit. Wie war es für Sie, als Sie allein waren und keine Filme drehen durften? Es ist schwierig. Viele kreative Menschen können sich sicherlich damit identifizieren. Wenn man als kreativer Mensch, diesen kreativen Muskel nicht verwendet, beginnt man sich nutzlos zu fühlen. Naja, vielleicht nicht ganz so krass (schmunzelt). Da es keine Jobs gab, begann ich mich anders kreativ zu betätigten. Ich begann meine eigenen kleinen Projekte zu machen. Man muss dennoch oft sich mit sich selbst auseinandersetzen. Ich entwickelte vor ein paar Jahren eine soziale Angst durch den Ruhm von TEEN WOLF und erkannt zu werden. Ich persönlich fand es deshalb schön, drinnen zu bleiben. Ich gehe nicht allzu oft nach draussen. Als die Pandemie kam, war es für mich nicht so neu allein zu sein. Gleichzeitig fand ich viel über mich selbst heraus. Ich wollte einfach meine kreativen Muskeln weiterbenutzen. Wenn es also keine Jobs gibt, dann mache ich sie mir selbst. Einfach weitermachen und analysieren, wer ich als Mensch bin. Damit haben sich wahrscheinlich alle ein wenig auseinandergesetzt.

Was denken Sie, weshalb es Situationen und Katastrophen wie eine Pandemie braucht, damit Menschen über ihre eigenen Prioritäten und sich selbst nachdenken? Hmmm, ich weiss es nicht. Vielleicht weil viele noch keine traumatischen Erlebnisse hatten in ihren Leben. Ich hatte viele traumatische Erlebnisse durch mein Leben hindurch. Meine Mutter starb und ich musste ihr praktisch dabei zusehen. Ich bin bereits in einem sehr jungen Alter im Business aufgewachsen. Ich bin sehr früh schon mit erwachsene, reifen und intensiven Situationen konfrontiert worden. Deshalb denke ich, dass vielen vielleicht solche Situationen bisher nicht bekannt waren, und mit dieser Pandemie wurden sie erstmals damit konfrontiert. Oder vielleicht auch nicht. Ich weiss es wirklich nicht. Vielleicht fühlten alle ein Gemeinsamkeitsgefühl für das erste Mal. Die Welt fühlt sich sehr gespalten an, doch für das erste Mal wirkt sie wieder etwas verbundener, weil wir alle das gleiche erleben. Vielleicht hat das etwas im Innern der Menschen ausgelöst.

Viel machen Versprechen, gerade auch in dieser Zeit, doch oft vergessen sie diese, sobald einige Zeit vergangen ist. Woran denken Sie liegt diese Vergesslichkeit? Es ist wie bei diesen Neujahrsvorsätzen. Man ist anfangs sehr leidenschaftlich, doch dann fällt es auf die Seitenlinien zurück. Ich denke, es hängt mit der mangelnden Selbstdisziplin der Menschen zusammen, mich eingeschlossen. Ich nehme mir vor mehr Sport zu treiben, gesünder zu essen oder anderes. Mache es für einige Tage und beende es wieder. Wir Menschen überwältigen oder überladen uns manchmal mit unseren eigenen Vorsätzen und Aufgaben. Ich möchte ein besserer Mensch werden, doch das geschieht nicht über Nacht. Die Person, die wir gerne sein möchten, benötigt ein wenig Zeit, um diese zu erreichen. Wir sehen jedoch den Weg dorthin oft nicht, sondern nur das Endziel. Es wirkt auf einmal so weit weg und nicht erreichbar, dass wir gänzlich damit aufhören, dorthin kommen zu wollen. Das ist ein Grund weshalb, wir haben mühe uns selbst Disziplin aufzuzwingen.

Ihr Vater spielt ebenfalls mit in ALONE. Oft werden die Kinder berühmter Schauspieler gefragt, was sie von den Eltern gelernt haben. Was lernte Ihr Vater von Ihnen? Oh mein Gott. Ich weiss es nicht. Ich habe alles von ihm gelernt. Vielleicht wie man Ruhe bewahrt, gerade auch im Zusammenhang mit berühmt sein. Ich habe ein Level erreicht, welches er in seiner Karriere bisher nie erreichte. Ich versuche nach wie vor so bescheiden wie möglich zu sein. Er hat mir die Bescheidenheit als Kind durchaus gelernt, vielleicht kann ich dennoch ein wenig davon zurückgeben. Abgesehen davon, habe ich keine Ahnung.

Im Film geht es ebenfalls, um diese letzte Hoffnung und sie zu bewahren. Wie gehen Sie selbst mit Hoffnung bewahren um, egal ob es um Ihre Kunst oder anderes geht? Man muss einfach wissen, dass Selbstzweifel zum Kreis dazu gehören. An sich selbst zu zweifeln ist extrem beängstigend, doch es sollte so geschehen. Man muss dafür sorgen, dass es einem nicht fertig macht. Man muss wissen, dass es wieder vergeht. Sich selbst einfach vertrauen. Viele von uns verlieren das Vertrauen in sich selbst. Man muss daran glauben, dass die Hoffnung nach wie vor da ist, dass es einfach Momente des Selbstzweifels gibt, die gewissermassen geschehen müssen. Man baut Dampf auf, welcher wieder freigelassen werden muss.

Aidan muss zu Beginn des Films sich überwinden, die Wohnung zu verlassen. Hatten Sie schon einmal eine Situation, die Sie solche Überwindung kostete? Ja, ich denke schon. Ich muss mir selbst beibringen, dass es am einfachsten ist das Pflaster einfach abzuziehen. Wenn man es das erste Mal gemacht hat, wird es jedes Mal einfacher. Für mich hat es viel mit Ehrlichkeit zu tun. Ich war oft über Dinge aus meiner Kindheit und Jugend nicht ehrlich. Ich musste lernen Dinge loszuwerden und darüber zu sprechen. Anfangs war es beängstigend, doch nach dem ersten Mal wurde es leichter. Heute ist es für mich einfacher ehrlich darüber zu sein und auszusprechen, wie ich mich fühle. Was sonst noch, hmm? Vermutlich das erste Mal auf die Bühne zu gehen und zu performen. Man muss es einmal machen und von da an ist es leichter, hoffentlich.

Sie zittern also nicht mehr, wenn Sie auf die Bühne gehen? Doch manchmal (schmunzelt). Manchmal kommt das Zittern vor Aufregung und Freude und nicht vom Gegenteil.

Aidan freut sich unglaublich über die Erdnussbutter. Was kann Sie so zum Strahlen bringen, wie die Erdnussbutter Aidan? Musik und meine Gitarre bei mir zu haben. Draussen zu sein, wenn die Sonne einem anstrahlt, doch zusätzlich trifft diese sachte Brise einem. Ein sauberes Haus, also mein Haus zu putzen. Es ist beruhigend, genauso wie eine kleine Kerze. Vermutlich einfach solche Sachen (schmunzelt).

Aidan findet Walkie-Talkies, worüber er sich extrem freut. Besitzen Sie selbst noch etwas Oldschool Technologie, dass Sie ebenfalls benutzen? (schaut sich im Zimmer um) Ich weiss es nicht. Hmm…

Haben Sie im Hintergrund nicht einen Plattenspieler? Das eine sind Boxen und das andere ist nur ein Symbol. Doch ich habe tatsächlich noch einen Plattenspieler, denn ich dauernd benutze.

Ah toll, dann besitzen Sie ja doch etwas Oldschool Technologie… Ja, ich habe hier sogar einige Platten (steht auf). Mein Zimmer ist gefüllt mit Platten. Ich liebe Platten.

Dann gehören Sie zu den Menschen, die das Physische nach wie vor lieben in dieser digitalen Zeit? Ja, absolut. Ich liebe Vinyl und der Physische Teil davon.

Vergebung ist ein grosses Thema im Film. Wie definieren Sie selbst Vergebung und wie schwer fällt es Ihnen zu vergeben? Oh Shit, hmm. Jemandem nicht zu vergeben, macht die Situation schlimmer auch für sich selbst. Wenn ich beispielsweise wütend über Sie bin und sie regelrecht hasse, dann verschwende ich meine Energie. Es macht nur mich selbst wütender. Leute, die nicht vergeben können, sind nicht bereit etwas loszulassen für sich selbst. Sogar dann nicht, wenn es auf lange Sicht besser wäre. Es hängt oft davon ab, der bessere Mensch zu sein. Manchmal ist es einfach jemandem zu vergeben, zumindest einfacher für die eigne Seele.

Ich würde nun noch ein paar Fragen zu TEEN WOLF stellen. Wie sehr haben Sie sich als Schauspieler und als Mensch in den letzten 10 Jahren seit dessen Beginn verändert? Oh mein Gott, unglaublich viel. Wenn sich jemand innerhalb von 10 Jahren nicht verändert, weiss ich nicht, ob diese nicht menschlich sind. Man verändert sich immer über die Zeitspanne von 10 Jahren. Für mich war die Erfahrung intensiv. Ich war sehr lange in einer Serie dabei und hatte unglaublich lange Arbeitstage. Ich sah mir die Serie konstant an, um zu sehen, wie ich war, damit ich daraus lernen und mich verbessern konnte als Schauspieler. Ich wurde ruhiger. Davor war alles so aufregend, dass ist es zwar noch, doch es war zusätzlich neu. Heute bin ich relaxter, weil ich es kenne. Ich mag, wer ich bin. Es waren gute 10 Jahre und ein guter Prozess seit damals.

Fühlen Sie sich mal genervt, wenn die Leute nach wie vor Sie mit TEEN WOLF in Verbindung bringen? Ich liebe TEEN WOLF und werde es immer tun. Ich bin noch nicht abgesprungen und hoffe, dass die Fans es ebenfalls nicht sind. Es wird sehr oft gefragt, wann die nächste Staffel erscheint. Doch die wird nicht kommen. Ich hoffe, dass dadurch die Fans nicht abspringen. Ich für mich bin zufrieden. Lang lebe TEEN WOLF.

Haben Sie einen speziellen Tag oder einen speziellen Moment in Ihrer Karriere bisher, der Ihnen am meisten bedeutet? Da gab es diesen einen Tag. Mein Bruder ist genauso ein Schauspieler wie mein Vater und ich. Mein Vater und mein jüngerer Bruder arbeiteten zusammen an dieser Fernsehserie. Eines Tages konnten mein älterer Bruder und ich sie am Set besuchen. Mit meiner Familie zusammen zu sein und mit ihnen arbeiten zu können, ist eines der besten Dinge auf der Welt. Dieser Tag wird mir immer bleiben.

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