The United States vs. Billie Holiday

Jetzt im Heimkino

warm
Drama

Von: Ana von Halle

Wenn Musik sprachlos macht

Wer war Billie Holiday? Dieser Frage gingen bereits zwei Dokumentarfilme nach. Nach LADY SINGS THE BLUES aus dem Jahr 1972 kommt mit THE UNITED STATES VS. BILLIE HOLIDAY nun ein zweiter Spielfilm über die Jazzlegende hinzu. Lee Daniels neue Verfilmung basiert dabei auf die Buchvorlage des britisch-schweizerischen Autors Johann Haris „Chasing the Scream: The First and Last Days of the War on Drugs“. Damit wird auch schon angedeutet, was diesen Film von den anderen unterscheidet.

THE UNITED STATES VS. BILLIE HOLIDAY ist nämlich nicht nur eine Hommage and Lady Day. Das Drama betont vor allem, wie die amerikanische Regierung die Sängerin zur Zielscheibe machte – wegen einem Lied. „Strange Fruit“ ist allerdings weitaus mehr als das. Der erschütternde Song gegen Lynchmorde gilt heute nämlich als erstes Protestlied der BLM-Bewegung. Damals nutzte Bundesagent Jimmy Fletcher die Drogensucht der Gesangsikone als Ausrede, um sie vom Performen dieses hochemotionalen Musikstücks abzuhalten. Doch Billie brachte nichts zum Schweigen.

Stimme, die Stimmung macht

Die Sängerin ging sogar blutend auf die Bühne, wo sie mit ihrer rauen Powerstimme das Publikum immer wieder sprachlos machte. Damit lässt THE UNITED STATES VS. BILLIE HOLIDAY sowohl die Sängerin als auch „Strange Fruit“ für sich sprechen. Dass ihr Leben drunter und drüber ging, erkennt der Zuschauer alleine an der genauso chaotischen Filmhandlung. Im Kontrast dazu präsentiert sich der Film bewusst ruhig. Eine erschütternde Stille, welche auch der empathischste aller weisser Zuschauer niemals nachempfinden werden wird. Das verrät der laute Applaus im Café Society. An einem Lied über Lynching gibt es eben wenig zum Klatschen, wie die Hauptdarstellerin unterstreicht.

Oscarwürdige Performance von Andra Day

In die Fussstapfen einer solchen Legende zu treten ist keine leichte Aufgabe. Andra Day lässt es aber so wirken – und das bei ihrer allerersten Filmrolle. Dass sie dafür gleich eine Oscarnominierung ergattert, überrascht daher kaum. Schliesslich fängt sie nicht nur mit ihrem Namen und ihrem eigenen atemberaubenden Gesangstalent das gleichermassen vulnerable und zähe Wesen von Lady Day ein. Was Holiday in ihr auslöste, löst sie inzwischen mit ihrem eigenen R&B-Werk „Rise Up“ in der heutigen BLM-Bewegung selbst aus: Inspiration, Mut und Kraft zum Handeln.

Geschichte wiederholt sich

Jahrzehnte später ist die Thematik in THE UNITED STATES VS. BILLIE HOLIDAY noch immer aktuell. Mit diesem niederschmetternden Reminder verschlägt das musikalische Biopic dem Publikum ein für alle Mal die Sprache. Harte Szenen, die schwer zuzusehen sind, kommen eben nicht nur im Filmdrama vor. Leider. Denkt man in diesem Zusammenhang an Bürgerrechtsaktivisten, kommt einem nicht gleich Billie Holiday in den Sinn. Weshalb das falsch ist, beweist Lee Daniels mit diesem Werk: Trotz Drohungen brachte die Sängerin „Strange Fruit“ mit vollem Herzen über die Lippen. Das alleine zeigt, dass sie sehr wohl eine mutige Aktivistin war. Das war Billie Holiday. Und sie würde diesen Film lieben.