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Interview: Ana von Halle

Lorenzo James Henrie: «Die Realität kann wunderschön sein»

Lorenzo, Ihr Film erschien zu genau der richtigen Zeit. Damals sassen alle drinnen und Ihr Charakter kommt zum Schluss, dass das reale Leben besser sei. Was denken Sie? Zu hundert Prozent, ja. Erwartungen vs. Realität ist ein grosses Thema im Film. Heutzutage kleben wir viel am Smartphone, am Computer oder sehen uns nur virtuell via Zoom. Das kann uns von der Wirklichkeit distanzieren. Wir wollen High-School-Kids aber auch Erwachsenen zeigen, dass man in der Realität leben muss. Und die Realität kann wunderschön sein. Nicht alles, was man in den Filmen sieht, ist wahr. Deshalb war Erwartungen vs. Realität so wichtig für uns. Ebenfalls ein grosser Teil war, das Identifizieren der Eltern mit ihren Kindern. Es gibt vieles was sie erkennen werden, auch Flashbacks zu Filmen aus ihrer Zeit.

Der Film bricht mit gewissen Stereotypen und öffnet neue Sichtweisen. Was gefiel Ihnen persönlich am meisten oder was erhoffen Sie sich, dass das Publikum mitnimmt? Für uns war das Brechen der Stereotypen wichtig, es war ein grosser Teil beim Drehbuchschreiben. Deshalb war Sienna Aquilini eine perfekte Ergänzung, weil sie einen grossen Beitrag dazu steuerte. Fast immer sieht man in Filmen wie sich die weiblichen Hauptrollen bekämpfen und sich regelrecht hassen. Uns waren Menschenverbindungen sowie eine gute und tiefe Charakterbasis sehr wichtig. Normalerweise haben nur die Hauptrollen solche Charakterhintergründe, wir wollten dies für alle. Den Schauspielern war es eine grosse Hilfe. Gerade unsere Schauspielerinnen fühlten sich sehr unterstützt und nutzten alle ihre Fähigkeiten, um den Charakteren Leben einzuhauchen und gerecht zu werden. Bezüglich der Emotionen war es toll, dass beiden Geschlechter diese zeigten. Am Ende des Tages sind wir alle nur Menschen und das können wir nicht verstecken (schmunzelt). Selbst unseren tafferen Nebencharaktere zeigen die entsprechende Menge an Emotionen, dass es zum Charakter und zur Geschichte passt.

Die Charaktere sind alle Fans dieser Band im Film. Welche Musik haben Sie gehört als Sie jünger waren? Gute Frage, ich bin nun alt (lacht). Ich habe sicherlich viel Musik gehört, die ich nicht hören sollte (schmunzelt). Abgesehen davon wuchs ich mit der Musik meines Vaters auf. Er hörte viel Blues und Eric Clapton sowie andere Klassiker. Später war es dann die Musik meines Bruders, meiner Cousinen und Bands wie Blink-182 und Genres wie Hip-Hop. Heute weil ich alt bin, geniesse ich wieder Klassische Musik.

Ihr Charakter ist ein DJ. Was wäre Ihr DJ-Namen im echten Leben? DJ-Name im echten Leben, hmm. Das wäre vermutlich DJ C93.

Einmal sagt Josh, er könne nicht performen vor so vielen Menschen. Kennen Sie dieses Gefühl, wenn Sie schauspielern? Oh ja, hundertprozentig (seufz). Das spricht wieder die menschliche Seite an. Wie gesagt wir sind alle Menschen. Dieselbe Frage könnte man ebenfalls Athleten stellen, da sie auf einem solchen hohen Niveau sind. Diese Nerven oder die Nervosität ist immer irgendwo, wenn man am Set ist oder eine Audition hat. Wenn man wirklich gut vorbereitet ist, dann spielt es keine Rolle wie schlecht man ist oder denkt, dass man war, es sieht nicht so aus. Ich war schon nervös und wollte vor bestimmten Regisseuren oder Schauspielern nicht spielen. Doch solange ich gut vorbereitet bin, habe ich ein bestimmtes Stück an Selbstvertrauen, dass mir da durchhilft. Das lässt sich ebenfalls wieder auf verschiedene Orte und Berufe übertragen.

Es braucht ebenfalls Mut seine Kunst, den Sport oder egal was es ist, zu zeigen… Das stimmt total. Das behandeln wir ebenfalls. Den man hat immer dieses kleine Stückchen Angst in sich. Das Beste ist also sich der Angst hinzugeben und so ein bisschen zu überwinden. Das ist der eigentliche Mut dahinter.

Kale sagt zu einem Zeitpunkt im Film, dass Kunst nicht studiert wird, sondern gelebt. Stimmen Sie dieser Aussage zu? Oh man, wow diese Linie (lacht). Es ist eine sehr gute Frage (schmunzelt). Für mich persönlich ist es beides. Mollys Antwort im Film ist, glaube ich, etwas wie: «wenn man nicht Michael Angelo oder dergleichen ist, dann…» Ich stimme ihr fast mehr zu. Man muss die Kunst lernen und studieren. Wenn man belohnt wird, dann kann man sie leben. Das lässt sich ebenfalls wieder auf viele Bereich im Leben übertragen. Es reicht nicht nur aufs College zu gehen, man muss es danach auch anwenden. Man muss es also wirklich zuerst lernen und dann leben.

Man hat ebenfalls nie vollständig ausgelernt, nicht? Es gibt einen Philosophen, der sagte: «Je mehr ich weiss, desto weniger weiss ich» Ich weiss es gerade nicht mehr.

Oftmals sind Leute überrascht, dass jemand älter ist, als sie denken. Wie war das bei Ihnen, da Sie als Erwachsener einen Teenager spielen? Ich bin erwachsen ja (schmunzelt). Wir drehten den Film als ich 25 Jahre alt war also etwa 2018. Jetzt bin ich fast 30 Jahre alt. Es ist richtig komisch. Nächsten Monat werde ich 29. Ich kann immer noch Charaktere von Anfang 20 spielen, allerdings möchte ich nun keine Teenager mehr spielen. Ich bin in einer anderen Phase meines Lebens angelangt. Ich könnte es vermutlich noch, aber es fühlt sich nicht mehr natürlich an. Für mich fühlt es sich so an, als gäbe es einen grossen Alterssprung zwischen 25 und 30 Jahren. Ich hatte eine andere Gefühlslage und sah jünger aus mit 25 als ich es jetzt tue. Ich verstehe also alle Leute, die für jünger gehalten werden, als sie es tatsächlich sind. Ich nenne es den Ralph Macchio-Effekt. Der Schauspieler, der in Karate Kid mitspielte und nun in Cobra Kai zu sehen ist. Er sieht noch heute aus wie 30 (schmunzelt).

Im Film muss Josh ein Essay über seine Zeit in der High School schreiben. Wie war Ihre High School Zeit? Meine High School Zeit hätte besser sein können. Ich ging auf eine sehr gute High School. Ich war jung und dumm, wie man sagen würde. Heute bin ich viel motivierter die Dinge zu lernen, die ich damals übersprungen habe. Ich liebe es zu lesen, zu lernen und Podcast zu hörnen. Geschichte ist ein grosses Thema, dass ich diesbezüglich liebe. Alles was ich damals vermasselte, bin ich nun erfreut zu erlernen. Alles in allem hatte ich eine gute High School Zeit und bin froh, dass es vorbei ist.

Wie war es mit Ihrem Bruder zu arbeiten. Sahen Sie es als Vorteil oder war es sogar eher schwieriger? Ich würde sagen beides. Er konnte mich mehr rumkommandieren als andere, weil wir Brüder sind. Er konnte mir direkt sagen, wenn ich etwas schneller machen sollte. Nicht so wie jemand, der nicht Familie ist und ganz lieb sagt, dass ich einen guten Job mache. David hatte deshalb einen anderen Ansatz. Aber es war toll. Er ist ein grossartiger Regisseur bei seinem ersten Feature Film. Gerade haben wir noch einen Film gemacht, wo unsere Firma produzierte und er Regie führte. Es war ein grösserer Film, mit grossen Schauspielern und grösserem Budget. Er hat sich als Regisseur bewiesen. Es ist eine Freude seine Karriere zu beobachten. Vor allem nach dem nächsten Film, der ein gutes Sprungbrett ist.

Wie viel Spass hatten Sie alle am Film während des Drehs? Jeder Tag war ein totaler Spass. Jeff Garlin gab einen guten Ratschlag. So etwas wie die Arbeit, aber sich selbst nicht zu ernst nehmen. Es war wirklich jeden Tag eine Freude. Es ist eine komische Sache. Man lernt diese Menschen kennen, dreht diesen Film während mehreren Monaten und ist täglich mit diesen Menschen zusammen. Fast wie Schule. Man stellt diese Verbindungen zu allen her. Wir versuchten ein sehr familiäres Umfeld zu schaffen, gerade weil wir beide Geschwister waren. Es machte also definitiv Spass.

Der Film thematisiert auch Reue und Bedauern. Kennen Sie das aus dem Schauspiel, wenn Sie bspw. im Nachhinein sich wünschten eine Szene anders gemacht zu haben? Ja und ja. Fast jeder Schauspieler schaut sich selbst im Nachhinein zu und denkt sich, was er alles hätte anders machen können. Schlussendlich muss man in seine Fähigkeiten vertrauen und es Gott überlassen. Man muss vertrauen und wissen, dass man sein Bestes gegeben hat. Bei diesem Film hatte ich tatsächlich eher den Druck, dass ich alles richtig machen wollte. Mir ist bewusst, dass mein Selbstvertrauen noch nicht hoch genug ist und ich weiterhin daran arbeiten muss. So kann ich in der näheren Zukunft viel mehr auf meinen Fähigkeiten vertrauen. Jeder Schauspieler findet vermutlich in seinen Filmen Dinge, die er anpassen könnte. Das ist jedoch das Schöne der Editoren. Ein Editor kann einen Schauspieler gross oder klein machen. Es ist unglaublich, was man mit Schneiden alles noch retten oder verändern kann. Editoren sind die besten Freunde eines Regisseurs (schmunzelt).

Welche Möglichkeit oder welchen Charakter würden Sie nicht gehen lassen, würde er Ihnen angeboten werden? Gute Frage, denn ich sage oft nein (lacht). Ich hatte einmal eine Rolle in MARVEL’S AGENTS OF SHIELD, welches zum ganzen Marvel Universum gehört. Das wäre etwas, dass ich einmal möchte, bei einem grossen Franchise mitmachen oder bei einem familientauglichen Superhelden-Film. Das würde mir sicher enorm viel Spass bereiten. Eine Komödie wäre sicherlich auch toll, ich mag Komödien. Ich mache eher ernstere Materie und daher wäre dies sicherlich lustig. Ein Superheld-Film wäre toll und ich bin teils sehr weit gekommen in den Auditions. Es hat einfach noch nie ganz gereicht, um ein Teil davon zu werden.

Viele Schauspieler, die gefragt wurden, nennen Superheld-Film als Punkt auf Ihrer Bucket-Liste… Wirklich? Das ist ja lustig. Ich bin beim Film BUMBLEBEE im Transformers-Franchise weit vorne dabei. Es waren nur noch ich und der, der die Rolle schlussendlich erhielt, dabei. Ich freute mich so sehr, erhielt am Ende allerdings eine Absage. Dasselbe war bei MAZE RUNNER der Fall. Ich hatte für eine grössere Rolle darin vorgesprochen, schlussendlich erhielt sie der Junge, der die Rolle dann spielte. Das ist einfach ein Teil des Schauspielerns. Man muss jede Absage abhacken und weitermachen. Es wie im normalen Leben. Man bewirbt sich für eine Position, hat Gespräche und entweder es ist eine Zusage oder eine Absage. Das ist das Leben. Deshalb gibt es Wein (schmunzelt).

Als Abschluss, können Sie uns sagen, was für Sie als nächstes kommt? Mein Bruder und ich haben eine eigene Firma, die sich Novo Media Group nennt. Der Film wurde von ihr mitfinanziert. Denis Gallagher, der Vorsitzende der Firma, unterstütz uns bei vielem, so auch produzieren von Filmen. Das Poster hinter mir zeigt die Serie A TALE DARK & GRIMM, welche wir produziert und an Netflix verkauft haben. Wir arbeiten bereits an einer weiteren Animationsserie, welche jedoch noch nicht öffentlich bekannt ist. Im Filmbereich sind wir in der Postproduktion des Films BOYS OF SUMMER. Es ist ein Rückblick auf die 90er Jahre. Eine Mischung aus E.T. trifft die Goonies. Es gibt diese Übernatürliche Macht auf der Insel und der Hauptcharakter muss sie zerstören und den Tag retten. Der einzige Mensch, der ihm glaubt, ist ein pensionierter Detektiv, der von Mel Gibson gespielt wird. Genau Mel Gibson und Mason James, der als nächstes in BLACK PHONE zu sehen ist, haben die Hauptrollen. Nach diesem Film wird Mason sicher gross sein und wie Heath Ledger durch die Decke gehen.

Das klingt nach viel Action und Arbeit, die gerade läuft bei Ihnen… Über unseren Film freuen wir uns natürlich. Wir sind grundsätzlich einfach viel am Produzieren. Wir haben uns ein wenig verschoben und sind nun mehr hinter der Kamera. Er als Regisseur und ich als Produzent. Wir haben daneben noch weitere Dinge, die wir gerade machen. Es schaut sehr gut aus die nächsten paar Monate. Wir sind glücklich und freuen uns. Tatsächlich haben wir noch einen anderen Film, auf den ich mich freue. Wir produzieren eine 1. Weltkrieg-Film über einen König aus dem Österreichisch-Ungarischen Reich, namens Karl von Habsburg. Der Film dreht sich um ihn, seine Frau und die Familie, die rundum lebte. Für diesen Film werden wir vermutlich in den nächsten Monaten nach Europa reisen.

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