7 Tage in Entebbe

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Thriller

Interview Rosamund Pike, Daniel Brühl

Interview: Rene Mioch

Rosamund Pike: «Meine Arbeitsmoral kommt aus der Schweiz»

BERLIN Im Bond Abenteuer DIE ANOTHER DAY gab Rosamund Pike 2002 die kühle Miranda Frost, in 7 TAGE IN ENTEBBE nun die hitzige Terroristin Brigitte an der Seite von Kollege Daniel Brühl. Im Interview verrät uns das Ex-Bond Girl, dass sie früher im Zürcher Hotel Grand Dolder die Betten machte.

Rosamund Pike, Sie lebten früher in der Schweiz, daher unsere Frage: Was haben Sie für Erinnerungen an diese Zeit? Pike: Meine Erinnerungen an die Schweiz betreffen meine Jugend. Mein Onkel war der General Manager des Dolder Grand in Zürich. Deshalb verbachte ich viel Zeit mit Arbeiten während des Sommers dort. Ich erinnere mich vor allem an Tücher falten, Geschirr waschen, Betten machen und die Polierlappen. Solche Sachen eben, dass sind meine Erinnerungen (lacht). Ich war auch noch nie Skifahren. Meine erste Skierfahrung machte ich letztes Jahr in Frankreich.

Aber es sind gute Erinnerungen? Pike: Ja, meine Arbeitsmoral kommt aus der Schweiz (lacht).

Daniel Brühl, wie viel wussten Sie denn schon vor dem Dreh über die Ereignisse in Entebbe? Brühl: Nun, nicht sehr viel. In Deutschland denkt man eher an die "Landshut“ Entführung in Mogadischu. Das war eine andere Flugzeugentführung 1977, ein Jahr nach Entebbe. Da es eine Lufthansa-Maschine war, erlangte dieses Ereignis mehr Aufmerksam in den Medien. Deshalb war ich zu Beginn etwas irritiert. Aber ich glaube mich zu erinnern, früher einmal eine Version des Entebbe-Attentats gesehen zu habe, in dem Horst Buchholz meinen Charakter spielt. Ich hätte mir den Film nicht nochmals anschauen können, dass hätte mich frustriert und verrückt gemacht. Aber so erinnerte ich mich zumindest etwas an die Geschehnisse. Doch die Geschichte faszinierte mich sofort und ich tauchte umgehend in das Ganze ein. Dazu erhielt ich tolles Material von der Produzentin Kate Solomon, welche eine Expertin auf diesem Gebiet ist.

Wie ist es mit Ihnen, hatten Sie schon von der Geschichte gehört? Pike: Nein, leider nicht. Ich erfuhr die Geschichte durch das Skript und traf mich mit dem Regisseur José Padilha. Ich merkte, dass er jemand ist, der die Geschichte eher unkonventionell erzählte. Ich konnte mir vorstellen, wie die konventionelle Version aussah. Er erschien mir als jemand, der eine Diskussion provozieren konnte. Und das ist ein Grund, weshalb ich Filme mache.

Sie suchen sich also Rollen, die eine Kontroverse haben? Pike: Einfach Rollen, die Leute zum Nachdenken anregen. Vielleicht nicht gerade so hochgradig kontrovers wie dieser Film, jedoch interessiert mich eine Kontroverse durch aus. Mich interessieren Filme sehr, die die Leute anregen und mich auch während des Drehens schon ins Grübeln bringen. Bei diesem Film musste ich die Perspektive wechseln und in einen neuen Kopf schauen. Wir beide mussten das, ausserdem ist es ein sensibles Thema. Es ist spannend auf diesen feinen Linien zu spielen und sie auszutesten.

Könnte man also sagen, wenn es statt ein Superheldenfilm, ein Film ist, bei dem man etwas lernt, dann ist das eher Ihre Art von Film? Pike: Ja, es muss einem interessieren. Vor allem sollte es auch unterhaltsam sein und diesen Film finde ich sehr unterhaltsam. Der Film ist spannend und ein bisschen nerv zerreissend, aber er hat auch noch das gewisse etwas. Der Film ist einfach facettenreich und ich denke, dass ist es auch was ich suche. Ich suche mir Rollen, die facettenreich sind.

Trägt man eine gewisse Verantwortung, beim Machen solch geschichtlich wichtiger Filme? Brühl: Klar, da ist offensichtlich eine Verantwortung, die du zu tragen hast, wenn man sich mit solch ernsten Thematiken befasst, die so wichtig, komplex und real sind wie diese hier. Schon als Kind interessierte ich mich sehr für Geschichte, es übte stets eine gewisse Faszination auf mich aus. Besonders unser Verständnis für Historik von unterschiedlichen Blickwinkel aus. Da ich mit verschiedenen Kulturen aufwuchs, war es für mich immer interessant zu sehen, wie die Spanier die Geschichte im Vergleich zu den Franzosen oder Deutschen sehen. Ich wurde mit verschiedenen Ansichten gross. Selbst meine Eltern waren manchmal nicht derselben Meinung. Das lernte mich viel über mein heutiges Ich.

Und was konnten Sie mit dieser Sicht über den Film lernen? Brühl: Dieses spezielle Kapitel der Geschichte war ein sehr kraftvoller Moment für die Gesellschaft Deutschlands. Junge Menschen waren in Rage und wütend über den Schatten der Vergangenheit, welcher teils immer noch sehr präsent war dazumal. Der Fakt, das einst so viele Nazis das Land führten. Die strenge Einstellung dagegen liess einige dieser jungen Menschen zu Extremismus greifen. Dieser Schritt zeigte, wie viel Leidenschaft sie für ihre Ideen hatten, was mich sehr fasziniert.

Wie ist es für Sie, wenn Sie eine Geschichte verfilmen, die wirklich geschehen ist. Macht es das für Sie schwieriger, weil Sie es korrekt machen wollen? Pike: Ja, normalerweise schon. Ich habe soeben die Dreharbeiten abgeschlossen für einen Film, bei dem ich eine Kriegs-Korrespondenten für die «Sunday Times» spielte, die vor fünf Jahren gestorben ist. Das war sehr schwer, denn ihr Tod war noch nicht lange her und ihre Freunde waren sehr schützend, bezüglich ihrer Erinnerungen. Dadurch fühlte ich einen Druck, wie ich ihn noch nie zuvor hatte. Bei Brigitte war das anders, weil es nur so wenig Informationen gab. Schon fast faszinierend wenig Informationen (lacht). Man wusste fast nichts über sie, bis sie durch dieses Ereignis berühmt wurde. Jedoch gab es niemand, der die Lücken füllen konnte. In einer gewissen Weise entstand ein Geist einer Generation und ich hatte das Gefühl, ich hätte die Verantwortung diese Generation zu repräsentieren. Aber was sie als Person anging, gab es, glaube ich, niemand der sie wirklich kannte.

Ihr Charakter ist eher kämpferisch veranlagt, sie hält Waffen und steht für ihr Glauben ein. Können Sie sich damit ein bisschen identifizieren? Pike: Oh wow, würde ich das tun? Ich hatte nie einen Grund. Man muss diese Art von Wut und Leidenschaft entwickeln, wie Daniel zuvor gesagt hat. Ich kann mich komplett damit identifizieren, wenn man sich über etwas ärgert. Das hier ist jedoch tiefer. Es kommt aus der Seele diese Art von Extremismus. Es kommt von etwas, dass man in jemandem gesät hat. Wie die Ablehnung aus der Nazi-Vergangenheit oder die Ablehnung der Idee, dass man eine solche Wut überhaupt in sich trägt und sie loswerden will. Das kann ich gut nachvollziehen. Diese Leute waren sehr extrem und gingen sogar ins Trainingslager in Jemen. Wir konnten das abgesehen von einigen Szenen gar nicht richtig entdecken, aber es musste sehr schlimm gewesen sein. Als ich den Film über die Kriegs-Korrespondentin drehte, zwar nicht direkt vor Ort war, jedoch wurden die Kriegsflüchtlinge von echten Flüchtlingen aus diesen Regionen gespielt. Dadurch entstand dieses enorme Gefühl und diese Verbindung. Jemen musste ähnlich gewesen sein.

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