Mit der Fortführung der Millenium-Serie wird die Hauptfigur Lisbeth Salander neu mit Claire Foy besetzt. Wir trafen die britische Schauspielerin zum Interview, wo sie über ihre Vorgängerinnen, falsche Tattoos und den Unterschied zu ihrer Rolle in THE CROWN erzählt.
Claire Foy, Lisbeth Salander ist allgemein ein sehr beliebter Charakter. Wie haben Sie reagiert als Sie erfuhren, dass Sie ihren Charakter spielen dürfen? Meine erste Reaktion war: «Oh, cool.» Aber mir geht es ähnlich wie allen anderen auch. Ich liebe die Figur Lisbeth. Ich habe nun einige Charaktere gespielt, bei welchen man sein Wissen über die Figuren trennen musste. Man hatte das Wissen der Figur von vorher und das Wissen, dass man sich fürs Spielen aneignete. Jedoch ist genau das so interessant und gerade bei einer Romanfigur. Man muss wirklich sein Wissen lösen können und einfach zum Basiswissen zurückkehren, damit es gut wird.
Wie gut kannten Sie die Portraits anderer Schauspielerinnen und mussten Sie sich von diesen ebenfalls distanzieren? Klar, ich habe alle schwedischen Verfilmungen gesehen und ebenfalls die amerikanische Version. Natürlich fand ich sie als Zuschauerin unglaublich, so wie alle das finden. Die Filme sind einfach genial. Ich habe inzwischen sehr oft Menschen gespielt, die in irgendeiner Weise schon existierten. Deshalb bin ich es schon fast gewohnt, eine gewisse Distanz einzunehmen. Vielleicht nicht gerade ein in den Hinterkopf schieben, mehr eine eigene Sichtweise dazu einnehmen. Man kann nicht versuchen die Version von jemand anderem zu spielen, schliesslich ist man sich selbst. Das muss man akzeptieren und einfach weiterfahren.
Lisbeth Salander hat so viele verschiedene Facetten und Seiten. Es fühlt sich einfach an, als wäre dieser Film eine neue Seite, die man an ihre entdeckt, ist das so? Ja, ich denke, das ist es, was Lisbeth ausmacht ihre stetige Veränderung. Sie ist sich immerzu am Weiterentwickeln, da sie kontinuierlich wieder Neues an sich entdeckt oder mit etwas sich zurechtfindet. Sei es durch die Welt in der sie lebt oder die Welt, die sie denkt in sich zu tragen. Sie versucht diese Welten immer zusammenzubringen, so dass es für sie Sinn ergibt. Doch genau das ist das Problem, nichts macht wirklich Sinn für sie. In diesem Film erleben wir eigentlich nicht erneut die Basics, sondern man akzeptiert, dass sie weitergehen will. Deswegen ist es viel mehr ein weitergehen und in die nächste Blockade in ihrem Leben laufen, die sie lösen muss. Oder anders gesagt ein Teil ihrer Vergangenheit, dem sie sich noch nicht gestellt hat.
Lisbeths Körpersprache, ihre Kleidung etc. ist sicherlich sehr wichtig. Wie sehr hat es für Sie die Rolle mitgeholfen zu formen? Wir alle haben sehr eng zusammengearbeitet, damit genau das funktionierte. Für mich persönlich stand jedoch der Charakter an erster Stelle und der Rest folgte danach. Für mich macht es keinen Sinn alles passend zu gestalten, wenn man gar nicht weiss, was eigentlich die Gründe dahinter sind. Weshalb Lisbeth gewisse Dinge trägt oder tut. Mit Heike Merker, der Makeup & Haar-Designerin, bin ich alles durchgegangen, auch alle Tattoos, die Lisbeth besitzt. Warum sie welche Tattoos hat und welche Symbolik diese für Lisbeth haben. Das habe ich auch mit Carlos Rosario, dem Kostümdesigner gemacht. Alles was Lisbeth trägt, hatte seinen Grund und Zweck. Jedes Kleidungsstück, das sie trägt, hilft ihr auf irgendeiner Weise in ihrem Leben. Für mich ist wirklich wichtig zu wissen, was die Hintergründe einer Person sind für dessen Entscheidungen.
Wie war es mit den Tattoos, mussten Sie diese jeden Tag neu zeichnen lassen? Ja, die wurden täglich neu aufgemacht. Einige nicht, denn diese waren recht gross und blieben deshalb überlängere Zeit auf meinem Körper (schmunzelt). Allerdings hatten wir Übertragungsblätter dafür. Das ist das grossartige heutzutage an solchen Dingen. Man kann sie ganz einfach anmachen und sie sehen wunderschön aus. Diese Designs wurden alle extra von einem Tattoo-Künstler gemacht. Doch ja, schlussendlich wurden die meisten mit den Übertragungsblättern täglich aufgetragen.
Ihr Produzent meinte, dass Ihre aktuelle Figur nicht weiter entfernt sein könne von Ihrer Rolle als Königin. Wie ist es für Sie zwei solch unterschiedliche Rollen zu spielen? Niemand der mich als Queen Elisabeth II in THE CROWN gesehen hat, würde glauben, dass ich auch so etwas wie Lisbeth Salander spielen könnte. Ich hatte bisher eine sehr abwechslungsreiche Karriere. Diese zwei Charakteren sind wahrscheinlich gerade sehr extreme Rollen, die auch eine gewisse Transformation verlangen. Doch genau das ist die Herausforderung und das Schöne daran, was ich als Schauspielerin tagtäglich machen darf.
Beeinflussen diese Transformationen Ihre Entscheidungen bezüglich Ihrer Rollen, das diese eben möglichst weit entfernt von Ihrem privaten Ich sind? Naja, sie sind beide irgendwie in meinem Leben vorhanden. Das ist vermutlich ebenfalls der springende Punkt für mich. Schlussendlich könnte man sagen, dass die Beiden in einer gewissen Weise eine Seite meines Charakters wiederspiegeln. Was irgendwie beängstigend ist (schmunzelt).
Sie haben in Berlin gedreht. Waren Sie auch einmal in Schweden? Ja, wir haben auch in Schweden gedreht. Ich denke, dass wäre gar nicht anders gegangen. Berlin war unglaublich. Die Architektur, die Landschaft und die Temperatur haben zum Film beigetragen. Vor allem die Kälte (lacht).
Sie haben ebenfalls den fertigen Film noch nicht gesehen. Wie sehr freuen Sie sich darauf als Zuschauerin den Film das erste Mal zu sehen? Ich kann es kaum erwarten. Fede Alvarez, unser Regisseur, ist ein absolutes Genie. Und ich bin sicher, dass er ein toller und wunderschöner Film gemacht hat. Ich kann es einfach kaum erwarten (lacht). Es ist für uns alle eigentlich noch ein bisschen ein Mysterium wie und was der Film sein wird. Auf jeden Fall wird er genial sein.
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