LONDON. Ein Name so gross wie die dazugehörige Karriere. Egal ob Theaterbühne, Film oder Musical Hugh Jackman macht alles und das meist hervorragend. Sein neustes Werk ist das Original-Musical THE GREATEST SHOWMAN. Als P.T. Barnum erfindet er das Showbusiness und bringt uns den Zirkus ins Herz. Mit kinowetter spricht der Australier über Musicals, das Set-Leben und seine Karriere.
Hugh Jackman, Sie kommen immer wieder zurück zu den Musicals. Ist das, weil darin alles vereint wird, was Sie lieben? In gewisser Weise schon, ja. Denn als Performer ist es das schwierigste, wenn du singen, tanzen und schauspielern gleichzeitig musst. Bei diesem Film war ich noch zusätzlich Produzent. Als man mir das Projekt 7 Jahren vorstellte, hatte ich gerade mal etwa 5 Musicals auf der Bühne in meinem Repertoire, aber noch nie eines auf Film. Denn ich habe eigentlich als Schauspieler angefangen. Musicals waren für mich eine herrliche Überraschung. Doch dann als wir THE GREATEST SHOWMAN anfingen zu drehen, hatte ich genug Erfahrung, dass ich mich wirklich darauf freute und das Musical unbedingt machen wollte. Zudem war ich wirklich froh, dass die Musicals wieder zurückkehren.
Wie meinen Sie das genau mit zurückkehren? Ich meine, es ist das erste Mal seit 23 Jahren, dass ein Filmstudio Grünes-Licht für ein Musical mit originalen Musikstücken gegeben hat. Normalerweise sind es Musicals wie MOULIN ROUGE oder MAMMA MIA, von welchen man die Songs kennt, die wieder und wieder gemacht werden. Deshalb war es wirklich eine grosse Freude dieses Musical machen zu können.
An solchen Sets geschieht meistens so vieles gleichzeitig, dass man es fast als einen positiven Zirkus nennen kann oder? Auf jeden Fall. Jedoch gibt’s diesen Punkt, egal wie sehr man es liebt, circa ab der 6. Stunde wird es ermüdend. (lacht) Nein im Ernst, wir hatten alle diese Momente, wo es schwer wurde. Ja, wir hatten alles gehört und ja es ist kompliziert. Aber hei, immerhin war ich nicht derjenige der High-Heels tragen musste, diese arme Frauen. Neben den anspruchsvollen Szenen, hatten jedoch auch alle diese kollektive Entschlossenheit. Man wollte nicht am Ende des Tages auf den Bildschirm sehen und bei einer Szene sagen müssen, ja wahrscheinlich wahr ich da gerade ein bisschen müde. Deswegen gibt jeder, zu jeder Zeit sein Bestes und gibt alles, was er hat.
In THE GREATEST SHOWMAN geht es ja auch darum, dass man sich selbst ist und auch treu bleibt. Wie wichtig war Ihnen diese Botschaft? Mit diesem Thema kann sich fast jeder identifizieren. Vor allem aber wahrscheinlich Jugendliche, ich habe ja selbst zwei Jugendliche. In diesem Alter, willst du nicht herausstechen, sondern du willst dazugehören. Im Sinne von bitte schikaniert mich nicht oder nehmt mich nicht wahr. Ich kann mich an dieses Gefühl erinnern. Ein Teil spricht das an, allerdings ist es auch so, dass das was dich anders macht, dich gleichzeitig besonders macht. Sich eingestehen wer man ist, sich die Zeit nehmen, dass zu tun was man will und liebt und sich nicht darum kümmern was andere denken. Klar, dass beinhaltet auch, nicht alles als selbstverständlich zu nehmen. Im Zusammenhang mit Erfolg kann auch Druck entstehen. Der Druck einem Bild zu entsprechen, dass die Mensch von einem haben, doch Menschen ändern sich. Ich zum Beispiel bin heute anders im Vergleich zu damals, als ich das erste Mal Erfolg hatte. Man muss sich einfach dadurch bewegen und mit verändern können. Es benötigt einfach Mut.
Dieses Mal arbeiten Sie mit Zendaya und Zac Efron, die Sie auch als Vorbild nehmen. Wie gehen Sie mit dieser Vorbildfunktion am Set um, geben Sie den Ton an? Ich versuche wirklich alle meine Co-Darsteller mit der gleichen Anerkennung und Verständnis zu begegnen und der Tatsache, dass wir zusammen dort sind. Ich habe kürzlich auch etwas gelernt in diesem Zusammenhang. Ich war es gewohnt, dass man als Lead einfach Stärke haben muss, jedoch ist es in Ordnung deinem Co-Darsteller auch mal zu sagen, dass man an einer Szene gerade zu kämpfen hat. Denn in der Tat vereinfacht es viele Dinge und macht einem entspannter. Meistens spüren alle, wenn etwas ist. Wenn du nirgends zu kämpfen hast, dann ist die Rolle nicht gut genug für dich. Eine Rolle sollte einem herausfordern und zum Kämpfen bringen. Ich denke sogar, dass Stärke manchmal sogar Unverwundbarkeit bedeutet. Es ist absolut in Ordnung zu sagen, dass es einem nicht gut geht.
Ihre Karriere ist riesig und Sie haben fast alles schon mal gemacht. Bezogen auf Ihre Worte von vorhin, was würde Sie als Schauspieler noch herausfordern in der Zukunft? Ich habe gerade einen Film mit Jason Reitman gedreht, namens THE FRONT RUNNER. Darin habe ich einen lebenden Charakter gespielt, also einen Mann, der heute noch lebt. Ich habe sogar ein bisschen Zeit mit ihm verbracht und diese Rolle war wirklich eine Herausforderung und Nerv auftreibend für mich. Ich glaube, ich suche mir tatsächlich Rollen, die ich noch nie gemacht habe und mich wirklich pushen. Ich versuche auch mit grossartigen Regisseuren zu arbeiten mit denen ich schon gearbeitet habe, aber auch anderen grossartigen Regisseuren. Das weiss ich über mich selbst, ich liebe es gepusht und geleitet zu werden.
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