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Interview Michael Mann

Interview: Raya AbiRached

Michael Mann: «Mir fiel ein Schleier von den Augen»

LOS ANGELES Regisseur Michael Mann widmet sich im Actionfilm «Blackhat» dem aktuellen Thema der Cyberkriminalität. Im Interview verrät er, was ihn an dieser Welt so fasziniert.

Michael Mann, was fasziniert Sie an der Welt der Hacker? So einiges und zu viel, um alles zu erwähnen. Ich konzentriere mich immer zuerst darauf, was eine Person ausmacht, wer der Gegner ist und was sie eigentlich denken. Wichtig ist auch welche Erfahrungen sie geprägt haben und wie sie aufgewachsen sind. Auf der anderen Seite interessiert mich die Besonderheit der Realitätsflucht. Gamer verlieren sich stundenlang in Spielen, aber das Ergebnis besteht allein in der virtuellen Welt. Hacker entziehen sich in der gleichen Weise, aber das Ergebnis ist komplett verschieden. Sie sorgen für eine Reaktion in der echten Welt und können hier beispielsweise den Kollaps eines Kernreaktors bewirken. Das waren einige meiner Orientierungspunkte.

Überrascht Sie das Ausmass der Verknüpfungen in unserer Welt? Ja, das ging deutlich weiter als ich erwartet hatte. Mir fiel quasi ein Schleier von den Augen. In Washington sprach ich mit echten Experten, die konkrete Gefahren von Cyberattacken kennen oder wussten welche Flugzeugpläne schon gestohlen wurden. Das Ausmass und die unmittelbare Bedeutung für unser Leben öffneten mir die Augen und zeigt auch, wie wir uns als Menschen verändert haben.

Wie beeinflusste Ihre Kameraperspektive die Arbeit der Schauspieler? Ich wollte etwas anderes machen, nämlich Szenen, die durch ihre Figuren vorangetrieben werden aber eine ereignisorientierte, übergreifende Geschichte. Also haben wir diese figurdominierten Szenen innerhalb der Ereignisgeschichte. So versetzten sich die Zuschauer hoffentlich stark in die Figuren während die Geschichte als Ganzes durch globale Ereignisse vorangetrieben wird.

Wie wichtig sind Ihnen die Drehorte? Sehr, ich verwebe gerne verschiedene Stränge und einer davon ist der Ort des Geschehens. Dorthin versetze ich nicht nur das Publikum, sondern auch die Schauspieler. Ich drehe ungern im Studio vor Green Screens, sondern lieber in einem Haus in Hongkong. Dort war eigentlich eine Massage Praxis, aber wir rissen die Wände ein. Der Grund dafür war der Ausblick aus den Fenstern, dort ging das Leben während des Drehs normal weiter. Wenn Schauspieler eine schmale Treppe hochsteigen und alle Arten von Gerüchen wahrnehmen, fühlt sich das für sie echt an. In erster Linie sind das alles Instrumente der Dramaturgie. Nicht ohne Grund spielt ein Film, der sich mit der neusten Technologie befasst, neben einem Festival. Ich suchte nach den grössten Gegensätzen.

So könnte sich auch ein libanesisches Mitglied der Phalanges-Bewegung in China wiederfinden... Er käme am Ende vielleicht nach China, aber am Anfang wohl eher nach Südamerika. Seine Fähigkeiten zeichnen ihn für den dortigen Markt aus, sei es Paraguay, Argentinien oder Brasilien. Von dort aus wäre er über die syrischen oder libanesischen Gemeinden weiter gekommen. Die Welt ist so globalisiert. Wenn Kolumbianer Kokain verschiffen, nutzen sie lieber Guinea-Bissau als Verschiffungsort nach Russland und Europa, weil dort das Risiko geringer ist. So sieht die Welt nun mal aus.

Welche Qualitäten sind Ihnen bei Schauspielern wichtig? Wenn ich einen Film über einen Dieb mache, schaue ich mir nicht andere Filme an, sondern suche einen Dieb auf. Diese Art der vertieften Recherche liebe ich, daher arbeite ich mit Schauspielern, die sich dafür genauso begeistern wie ich. Sie sollen wie ich gar keine Alternative darin sehen, sich nur oberflächlich ein paar Wochen mit einem Thema zu befassen, wenn sie doch das Abenteuer in Malaysia selbst leben könnten.