Where the Wind Comes From

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Drama

Interview: Bernard Achour

AMEL GUELLATY: «EIN SONNIGER FILM MIT ERNSTEN THEMEN»

Mit WHERE THE WIND COMES FROM startet ein mitreissender Road-Movie, der es Regisseurin Amel Guellaty ermöglicht, ein lebendiges Bild der tunesischen Jugend zu zeichnen.

Wie ist die Idee zu deinem Film entstanden? Ich wollte schon lange eine Geschichte über eine Freundschaft zwischen Mann und Frau erzählen – ohne romantische Hintergedanken. Im arabischen Raum, wo die Geschlechter oft getrennt sind, wollte ich zeigen, dass eine solche Beziehung möglich, ehrlich und stark sein kann. Die Road-Trip-Idee bot mir den idealen Rahmen: ein Raum für Freiheit, Verbindung und gemeinsame Fantasie. Zwei Randfiguren finden darin einen Lebensatem – eine Form des sanften Widerstands, fern von Klischees.

Du hast eine sehr präzise, fast symmetrische Ästhetik gewählt. Warum? Ich bin ursprünglich Fotografin, Bilder sind meine erste Leidenschaft. Vor dem Dreh sagte ich meinen Schauspielern: «Ich gebe euch Zeit für Proben, denn am Set gehört meine Zeit dem Bild.» Für jede Einstellung hatte ich ein detailliertes Storyboard, mit visuellen Referenzen von IDA bis PULP FICTION. Obwohl es ein Road-Movie ist, wollte ich keine wackelige Handkamera. Die Stabilität des Rahmens sollte die Verbundenheit der Figuren widerspiegeln und gleichzeitig das Chaos der Umgebung in Kontrast setzen. Jede Einstellung sollte so viel erzählen wie die Dialoge selbst.

Wie hast du die Balance zwischen sozialer Realität und Poesie gefunden? Ich wollte über die Schwierigkeiten der tunesischen Jugend sprechen, ohne ins rein Soziale abzurutschen. Deshalb entschied ich mich für Komödie. WHERE THE WIND COMES FROM ist ein sonniger Film, der ernste Themen aufgreift, aber auch Humor, Energie und Lebendigkeit feiert. Fantasie und Kreativität sind ihre Antwort auf wirtschaftliche und politische Krisen – dieser leichte Ton ist meine Art, Hoffnung sichtbar zu machen.

Und das Casting? Eya Bellagha war schon in meinem Kurzfilm BLACK MAMBA meine Hauptdarstellerin. Beim ersten Casting wusste ich, dass sie perfekt passt. Slim Baccar habe ich viermal angerufen, bevor ich mich endgültig entschied! Ihre Chemie auf der Leinwand ist beeindruckend, ihre zarte und zugleich intensive Hingabe hat mich tief berührt.

Warum Deutschland als Ziel im Film? Weil Deutschland heute mehr träumen lässt als Frankreich. Früher sprach in Tunesien fast jeder Französisch, heute dominiert Englisch – geprägt durch Serien und Filme. Frankreich hat zudem ein schlechtes Image in Migrationsfragen. Für viele Jugendliche sind Deutschland, Grossbritannien oder Italien attraktivere Ziele. Auch diese Realität wollte ich in den Film einfliessen lassen.

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