Memoir of a Snail

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Animation

Interview: Philipp Portmann

ADAM ELLIOT: «OHNE DIE DUNKEL HEIT HAT DAS LICHT KEINE BEDEUTUNG»

In MEMOIR OF A SNAIL erzählt der australische Filmemacher und Oscargewinner die rührende Geschichte der kleinen Grace, der keine Enttäuschung im Leben erspart bleibt. Trotzdem gibt es in diesem Stop-Motion-Film für Erwachsene viel zu lachen. Wir trafen Elliot am Zurich Film Festival zum Interview.

Adam Elliot, der Tod spielt in Ihrer Komödie eine grosse Rolle. Wie kommt das? Ich bin fasziniert von seltsamen Todesfällen, weil ich dann immer an Woody Allen oder die Comedy-Gruppe Monty Python denke, die auch vom Tod besessen waren. Der Tod ist unvermeidlich, aber er kann auch extrem lustig sein. Ich sammle in einem Notizbuch neben Geschichten über das Leben auch komische Todesfälle.

Liegen deshalb in Ihrem Film Weinen und Lachen so nah beieinander? Ich sehe Humor als Spannungsabbau. Wenn man auf eine düstere Szene etwas Lustiges folgen lässt, lacht das Publikum eher, weil es zuvor diese ganze Spannung erlebt hat. Es geht um die Balance zwischen Komödie und Tragödie. Deshalb liebe ich das Zitat: «Ohne die Dunkelheit hat das Licht keine Bedeutung.»

Wie sind Sie auf die Geschichte über Grace und ihren Bruder gekommen? Ich neige dazu, zu schreiben, wenn ich frustriert oder wütend bin. Vor acht Jahren verstarb mein Vater, ein Sammler, der uns drei Schuppen voller Dinge hinterliess. Ich fragte mich: Warum hat er das alles gesammelt? Und warum hat er uns all diese Sachen zum Aufräumen überlassen? So begann ich, mich mit der Psychologie des Hortens zu befassen, und entdeckte, dass viele als Reaktion auf Traumata, wie den Verlust eines Geschwisters, horten. Das hat mich zum Nachdenken gebracht.

Und so ist Gracie entstanden? Genau. Beim Durchblättern meiner Notizbücher stiess ich auf ein Mädchen aus der Schulzeit, das mit einer Gaumenspalte geboren wurde, viele Operationen hatte und gemobbt wurde. Doch als Erwachsene wurde sie zu einer selbstbewussten Person. Ich fragte mich, wie sie diesen Wandel vollzogen hat. So entstand Gracie, die sich zunächst – vom Leben enttäuscht – in ein Schneckenhaus zurückzieht.

Was sollen die Zuschauerinnen und Zuschauer aus dem Film mitnehmen? Wenn das Publikum nicht als emotionales Wrack aus dem Film herauskommt, habe ich als Regisseur versagt (lacht). Ich möchte, dass es lacht, weint und nachdenkt. Vielleicht sind die Zuschauer danach etwas freundlicher zu ihren Mitmenschen. Ich verlange viel von meinem Publikum –wahrscheinlich zu viel. Aber ich möchte die Zeit des Publikums nicht vergeuden. Eine gute Komödie ist ansteckend und das Lachen brauchen wir heutzutage mehr denn je.

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