In LE PROCÈS DU CHIEN (HUNDSCHULDIG) spielt Lætitia Dosch (44) eine Anwältin, die vor Gericht einen Hund vertritt. Die Schweiz-Französin, die auch das Drehbuch schrieb und Regie führte, sprach mit uns über ihren Film und ihr Engagement für Minderheiten.
Lætitia Dosch, wie sind Sie auf diese Geschichte gestossen? Ich spielte gerade mein Theaterstück über Herrschaft, Ausbeutung und Feminismus, als eine Frau mir von einem Prozess erzählte: Ein Hund hatte eine Frau ins Gesicht gebissen, doch sie verklagte nicht das Tier, sondern den Besitzer – denn vor dem Gesetz gilt ein Hund als «Sache». Dieser wahre Fall sorgte für Aufsehen. Es gab Demonstrationen, Petitionen und zahlreiche Berufungen, bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Die Geschichte wurde sehr gross und bekannt.
Perfekt für einen Film… Ja. Man kann damit viele gesellschaftliche Fragen aufwerfen. Ein Richter könnte argumentieren: Wenn ein Hund kein Ding ist, dann muss er sich vor Gericht verantworten. Zu sehen, wie Juristen versuchen, ein Tier zu verurteilen, hat eine gewisse Komik.
Haben Sie eine besondere Beziehung zu Tieren? Ich liebe es, mit Tieren zusammen zu sein. Ich bin fasziniert davon, wie sie reagieren, und versuche zu verstehen, warum sie tun, was sie tun. Als Kind lebte ich mit meiner Familie in einer Wohnung, in der ständig Tiere waren. Mein Grossvater war Ornithologe und brachte kranke Vögel mit nach Hause.
Woher kommt Ihr tierischer Hauptdarsteller? Cody wuchs allein auf den Strassen von Narbonne im Süden Frankreichs auf. Er wurde gerettet und von einem Hundetrainer fürs Kino und Theater ausgebildet.
Welche Botschaft soll Ihr Film vermitteln? Er stellt die Frage nach dem Platz eines jeden Wesens. Unsere Gesellschaft basiert auf Ausbeutung und Unterdrückung – das zerstört nicht nur andere Arten, sondern auch uns selbst. Mir geht es um Gleichheit, Respekt und die Bedürfnisse aller, ob Mensch oder Tier. Vielleicht gibt es in meinem Film nicht viel Liebe. Aber ich liebe meine Charaktere – und ich liebe Aussenseiter.
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