The Giver

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SciFi

Interview Jeff Bridges

Interview Phillip Noyce, Lois Lowry

Interview: Raya AbiRached

Jeff Bridges: «Perfektion verursacht Probleme»

Im Sci/Fi-Drama «The Giver - Hüter der Erinnerung» schlüpft Schauspieler Jeff Bridges unter der Leitung von Regisseur Phillip Noyce und Schriftstellerin Lois Lowry in die Rolle der titelgebenden Figur. In unseren Exklusiv-Interviews verrät uns das Trio, wie sie in einer solch farben- und gefühlslosen Welt zurecht kommen würden.

Jeff Bridges, was hat Sie dazu inspiriert, bei diesem Film mitzuwirken? Nun, ich mache gerne bei Filmen mit, die ich mir selbst auch ansehen würde. Solche, die zwar nicht mit dem Holzhammer auf Botschaften hinweisen, aber durchaus Dinge hinterfragen und Stoff für Diskussionen nach der Sichtung bieten.

Existiert die perfekte Welt? Es verursacht Probleme, sich selbst perfektionieren zu wollen. Mann kann seine dunkle Seite nicht einfach so ausblenden. Sie gehört einfach zu uns, auch wenn sehr schlimme Dinge passieren. Aber im Gegenzug haben wir ja auch die Liebe. Diese beiden Gefühlsformen harmonieren miteinander.

Musik ist in der Welt des Films verboten. Was mögen Sie an Musik? Dass es, wie auch beim Filmemachen, eine Zusammenarbeit darstellt. Jeder beherrscht sein eigenes Instrument. Auch am Set hatten wir einige, sehr talentierte Musiker. Beispielsweise Taylor Swift. Es gab Zeiten beim Dreh, da haben wir uns zurückgezogen und gemeinsam Gitarre gespielt.

Im Film können Eltern ihre Kinder weder um Wissen bereichern noch ihnen einen Ratschlag geben. Eine erschreckende Vorstellung, finden Sie nicht? Ja, vor allem da ich selbst auch Kinder habe. Ich möchte ihnen natürlich weitererzählen, worum es im Leben geht, inklusive aller Schattenseiten. Mein Vater brachte mir in den 60er-Jahren ein Buch mit dem Titel "The Family Of Man". Darin ging es darum, wie es ist, als Mensch auf der Erde zu leben. Darin werden viele verschiedene Erfahrungen geschildert. Wir sitzen hier in einem schicken Hotelzimmer, aber so was ist äusserst selten. Das Buch wollte ausdrücken, dass wir nur ein kleiner Teil vom Universum sind und im Grunde eine einzige, grosse Familie repräsentieren, die sich gegenseitig unterstützen sollte.

Sie haben mit Meryl Streep zusammengearbeitet. Erzählen Sie uns davon. Ich habe Meryl schon vor Jahren getroffen. Unsere Kinder haben gemeinsam Fussball gespielt. Sie war quasi eine Fussballmutter und einfach herrlich. (lacht) Schon damals haben wir davon gesprochen, wie witzig es wäre, miteinander einen Film zu machen. Ich bin so froh, dass sie diese Rolle angenommen hat. Sie spielt ihre Figur einfach umwerfend.

Phillip Noyce, was hat Sie in ihrem Stil für diesen Film besonders beeinflusst? Das Buch. Ich habe mich immer an der Vorlage orientiert und bei Fragen Schriftstellerin Lois Lowry kontaktiert. Sie befand sich damals in einer völlig anderen Zeitzone. Ich wusste, dass ich jeweils am nächsten Morgen meine Antworten in meinem Posteingang haben würde und so war es tatsächlich. Egal ob es um das Drehbuch, die Schauspieler, die Klamotten oder die Optik ging, ich hatte mit Lois Lowry stets eine Spezialagentin an meiner Seite. (lacht)

Lois Lowry, sind Sie überhaupt zufrieden mit der Verfilmung? Ein paar Dinge sind anders geworden. Die Gemeinschaft sah beispielsweise anders aus. Als ich den Roman damals verfasst habe, habe ich mich natürlich an jenen Gemeinden orientiert, bei denen ich aufwuchs. Das waren vorwiegend geregelte Militärbasen. Aber sowohl das Buch als auch der Film spielen in der Zukunft, weshalb ein Upgrade notwendig war. Phillip hat mein Konzept modernisiert und visuell erweitert.

Tut es nicht weh, sein Buch beziehungsweise eigenes Baby aus der Hand zu geben? Es ist nichts Ungewöhnliches, sein Kind loszulassen und dabei zuzusehen, wie es wächst und einen neuen Weg beschreitet. Ich habe vier Kinder und weiss somit, wovon ich hier rede. Man tut sein Bestes, wenn es noch jung ist, und eines Tages muss man es einfach weiterziehen lassen.

Und wie haben Sie reagiert, als sie den Film gesehen haben? Ich war erfreut. Ich durfte bereits während der Produktion Ausschnitte sehen und es war einfach wundervoll zu beobachten, wie sich ein Puzzleteil mit dem nächsten vereint.

Phillip Noyce, war es von Anfang an vorgesehen, den Film mit schwarz-weissen Szenen zu schmücken? Ja, es war von Anfang an geplant, schwarz-weiss anzufangen und dann in die Farbe zu wechseln. Das war schon im Buch so. Die Farben wurden in dieser Gesellschaft ja eliminiert, um einen Konkurrenzkampf auszuschliessen. Die Frage, wer weiss oder blau trägt, stellt sich gar nicht erst. Das wurde auch deswegen eingeführt, um Vorurteile von der Welt zu schaffen. Aber sobald sich Jonas' Perspektive und Vorstellungskraft erweitert, sieht nicht nur er plötzlich Farben, auch wir als Zuschauer bekommen die Welt so mit, wie er sie sieht.

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