Im Schatten des Orangenbaums

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Drama

Interview: Bernard Achour

CHERIEN DABIS: «ICH MÖCHTE, DASS MEIN FILM EIN WERKZEUG DES GEDENKENS WIRD»

Das Drama ALL THAT’S LEFT OF YOU ist ein humanistisches Fresko, das in der Vergangenheit wurzelt. Im Interview spricht Regisseurin und Schauspielerin Cherien Dabis über ihre Ambitionen sowie über die schweren wie auch die heiteren Momente im Film.

Warum haben Sie sich nach Ihren intimen Filmen AMREEKA und MAY IN THE SUMMER dafür entschieden, mit ALL THAT’S LEFT OF YOU eine derart umfassende Geschichte zu erzählen? Mit diesem Film war ich bereit, eine viel grössere Geschichte zu übernehmen, eine Geschichte, die mich seit jeher begleitet. In vieler Hinsicht ist es eine palästinensische Genesis. Ich wollte erzählen, wie die Palästinenser zu Flüchtlingen wurden, wie sie aus ihrem Land vertrieben wurden und daran gehindert wurden, zurückzukehren. Der Film handelt von einer Familie, aber in Wirklichkeit ist diese Familie wie alle palästinensischen Familien.

An welchen Quellen haben Sie sich bei der Umsetzung orientiert? Ich habe in den Geschichten geschöpft, die ich mein ganzes Leben lang gehört habe, in Jaffa, Haifa, aus Familienberichten und Geschichtsbüchern. Aber der Ursprung des Films liegt in meiner eigenen Erfahrung: Als Kind bin ich mit meiner Familie durch Checkpoints gegangen, ich habe meinen Vater von Soldaten gedemütigt gesehen. An diesem Tag habe ich verstanden, was es bedeutet, Palästinenserin zu sein.

Die Dreharbeiten wurden von den Angriffen im Oktober 2023 erschüttert... Das war wahrscheinlich die schwierigste Zeit meines Lebens. Wir mussten aus Palästina fliehen, von vorne anfangen, Palästina überall suchen, ausser in Palästina. Es hat enorm gekostet, aber es hat dem Film eine neue Dringlichkeit verliehen. Wie jeder Palästinenser endete er im Exil.

Wie haben Sie das Palästina von 1948 auf die Leinwand gebracht? Auf erstaunlich fröhliche Weise. Wir haben ein Haus in Jaffa rekonstruiert, inspiriert von alten Fotos, haben mit Textilien, Farben und architektonischen Details gearbeitet. Es war wunderbar, einem kosmopolitischen Palästina Leben einzuhauchen, das das Kino nie wirklich gezeigt hatte.

Was ist die wahre Ambition Ihres Films? In einer Zeit, in der palästinensische Geschichten zensiert oder ausgelöscht werden, möchte ich, dass dieser Film überlebt, dass er ein Werkzeug des Gedenkens wird, ein Raum für Schönheit und Mitgefühl mitten in der Zerstörung.

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