Mrs. Taylor's Singing Club

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Drama / Comedy

Interview: Carmine Carpenito

Kristin Scott Thomas: «Wir haben einen gefährlichen Job»

LONDON Im Biopic THE SINGING CLUB schlüpft Kristin Scott Thomas in die Rolle von Offiziersfrau Kate. Gemeinsam mit Lisa gründet sie einen Chor für gleichgesinnte Frauen und treibt sie schon bald zu Höchstleistungen. Wir haben die Schauspielerin zusammen mit ihrem Co-Star Sharon Horgan zum Interview getroffen.

Kate kann ganz schön kritisch sein, holt damit aber alles aus dem Chor heraus, was geht. Wie wichtig war Kritik zu Beginn eurer Karriere, um die schauspielerischen Fähigkeiten zu entwickeln, die ihr heute besitzt? Kristin Scott Thomas: Das ist eine brillante Frage! Sie war sehr wichtig, aber auch ziemlich schmerzhaft (lacht).
Sharon Horgan: Total! Aber mittlerweile kann ich viel besser mit Kritik umgehen als früher, weil ich mir bewusst machen konnte, dass meine Arbeit dadurch besser wird.
Kristin Scott Thomas: Es kann wertvoll sein, jemanden zu haben, der eine ehrliche und konstruktive, kritische Meinung äussert.
Sharon Horgan: Ich erwarte es inzwischen sogar. Wenn mein Agent ein Drehbuch von mir liest und keine Meinung abgibt, denke ich mir sofort: Was zur Hölle? Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich am Anfang meiner Karriere für etwas, das ich geschrieben hatte, sehr stark kritisiert wurde. Die Folge war, dass ich sofort aufgehört habe zu schreiben. Ich wusste nichts damit anzufangen und dachte, das wars. Aber jetzt kann ich sie nachvollziehen und sogar schätzen, weil ich gelernt habe, wie ich Feedback einzuordnen habe um besser zu werden.

Habt ihr denn jemals Vertrauen in euch selbst verloren? Kristin Scott Thomas: Regelmässig und auch jetzt noch. Wir machen aber auch einen gefährlichen Job (lacht). Spass, aber wir machen einen Job, wo man einen sehr schmalen Grat zwischen glaubwürdig oder nicht glaubwürdig sein passiert. Man will so erfinderisch sein wie möglich. Aber manchmal läuft es einfach schief. Es kann in solchen Fällen sehr herausfordernd sein, sich zusammenzureissen und trotzdem denselben Weg zu gehen. Oft hat man aber halt das Gefühl, dass man sich doch auf dem richtigen Pfad befindet.
Sharon Horgan: Genau deshalb wollte ich einen Film mit dir machen. Das ist sehr aufschlussreich und wahr. Nicht jeder würde eine Rolle so angehen oder Schauspielerei im Allgemeinen. Aber man lernt eben jeden Tag dazu.

Kristin, als Fan von DAS HAUS AM MEER muss ich fragen, ob du eine schöne Erinnerung vom Set erzählen kannst? Kristin Scott Thomas: Puh, das ist schon so lange her. Alles, woran ich mich erinnern kann, ist, dass Irwin Winkler zu den grössten Produzenten aller Zeiten gehört. Davor inszenierte er einen Film selbst und ich meine, dass DAS HAUS AM MEER sein zweiter war. Er war bei uns immer unfassbar geduldig, sehr altmodisch und einfach nur toll. Zudem bewies er einen wunderbaren Musikgeschmack. Ich hatte eine grossartige Zeit, aber es tut mir leid, dass nicht mehr von der Erfahrung geblieben ist (lacht). Mein Sohn, der jetzt 20 wird, war damals noch ein kleines Baby. Immerhin kann ich mich an ihn erinnern (lacht).

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